Artur Fischer Erfinderpreis 2015 verliehen

    Stuttgart, 30. Juni 2015 - ErfinderInnen und Erfindungsinteressierte haben heftig geschwitzt vor und während der Verleihungsfeier für den Artur-Fischer-Erfinderpreis, der am 30. Juni 2015 zum achten Mal vergeben wurde. 

    Cornelia Rudloff-Schäffer, Präsidentin des Deutschen Patent- und Markenamtes (l.), Christoph Dahl, Geschäftsführers der Baden-Württemberg-Stiftung (m.) und Christina Luger, Referentin Forschung (r.) - im Gespräch nach der Preisverleihung - Foto:©innofoek2015

    Ca. 300 Teilnehmer nahmen an der Verleihung teil und bildeten einen würdevollen Rahmen für die Auszeichnung der erfinderischen Leistungen.
    Aus ca. 160 Bewerbungen musste eine Auswahl getroffen werden. Die 40 Entwicklungen, aus denen die Jury die Endauswahl traf, waren alle Spitze, wie Moderator Ulrich Walter immer wieder betonte. Aber die mühevolle Aufgabe der Jury war es, die in den vier Wettbewerbskategorien jeweils Besten auszusuchen.


    „Die Preisträger haben gesehen, was andere auch sehen. Aber sie haben gedacht, was noch kein anderer gedacht hat“, so beschrieb Peter Hofelich MdL, Staatssekretär im Ministerium für Finanzen und Wirtschaft des Landes Baden-Württemberg die Leistungen der Ausgezeichneten. Diese konnten aus den Händen der Präsidentin des Deutschen Patent- und Markenamtes, Frau Cornelia Rudloff-Schäffer und des Geschäftsführers der Baden-Württemberg-Stiftung, Herrn Christoph Dahl, ihre Auszeichnungen entgegen nehmen. 


    Die Preisträger

    in der Kategorie Erwachsene erhielten Prof. Alois Herkommer und Prof. Friedrich Grimm den ersten Preis für ihre Entwicklung Röhrenkollektor

    Prof. Friedrich Grimm neben dem entwickelten Röhrenkollektor - Foto: ©Baden-Württemberg-Stiftung

    Mit einem Dreiecksprisma, bei dem zwei lichtbrechende Seiten mit einer totalreflektierenden Seite so kombiniert sind, dass der Einfallswinkel und der Ausfallswinkel jeweils denselben Betrag haben, können unerwünschte Streuungen bei der Konzentration der in unterschiedlichen Winkeln einfallenden Sonnenstrahlen vermieden werden. Als Einzelelement ist das Prisma in der Lage, durch zweifache Brechung und eine zwischengeschaltete Totalreflektion die Sonnenstrahlen exakt auf eine Brennlinie zu fokussieren. Als Anordnung aus einer Mehrzahl von Prismen können die Sonnenstrahlen bei einachsiger Nachführung mehr als 100-fach konzentriert werden. Um die Prismen vor Umwelteinflüssen zu schützen, sind sie innerhalb einer transparenten Hülle angeordnet und bilden zusammen mit einem Empfängerelement einen Röhrenkollektor, der als transparenter Kollektor eine Vielzahl neuartiger Anwendungen ermöglicht.


    Spannvorrichtung „ARRETOR“ - Foto:©innofoek2015

    Erwähnt sei hier auch der Träger des 3. Preises: Bernd Kühlwein aus Wiernsheim. Seine Spannvorrichtung „ARRETOR“ zur sicheren und schnellen Befestigung von Werkstücken beim Bohren ist eine Hilfe für jeden, der kleine oder dünne Teile bearbeiten muss. Man kann durchaus dazu sagen eine Erfindung für Erfinder



    In der Kategorie Schüler bis Klasse 7 erhielt Federico Burisch vom Liselotte-Gymnasium Mannheim den 1. Preis. 

    Federico Burisch mit seinem Interaktiven Physikheft - Foto: ©Baden-Württemberg-Stiftung

    Seine Erfindung, ein Interaktives Physikheft kann eine Hilfe sein für Schüler, denen der normale Physikunterricht nicht anschaulich genug ist.
    Aus verschiedenen Versuchen ist bekannt, dass Bleistiftstriche aus Graphit oder Striche mit einem Silberstift Strom leiten. Basis für die vorliegende Erfindung ist die richtige Auswahl geeigneter Stifte oder Farben. Umfangreiche eigene Versuche haben gezeigt, dass neben der reinen Stromleitung variable Widerstände und funktionierende Kondensatoren auf einfachem Druckerpapier gezeichnet werden können. Ergänzt werden diese gemalten Bauelemente z. B. durch preisgünstige Mini-LED’s aus Lichtbändern, die mit einem Tropfen Silberlack angeschlossen werden. Notwendige Schalter bestehen aus mit Bleistift bemaltem Papier oder kleinen verschiebbaren Magneten, die auf einer am Heftdeckel aufgeklebten dünnen Eisenfolie haften und einen unterbrochenen Bleistiftstrich überbrücken. Im Heft ist eine 9V-Batterie eingeheftet, die über zwei kurze Kabel mit kleinen Magneten mit den Bleistiftstrichen verbunden wird. Zeichnungen können so getestet und direkt abgeheftet werden.

    Mit einer Selbstentfärbenden Wandfarbe erreichten Robin Buckenberger und Ryan Cartsunis vom Geschwister-Scholl Gymnasium Konstanz den Platz 1 in der Gruppe Schüler Klassen 8 - 10. 

    Robin Buckenberger und Ryan Cartsunis - Foto: ©Baden-Württemberg-Stiftung

    Beim Streichen einer weißen Wand mit weißer Farbe ist es schwierig zu erkennen, welche Stellen bereits gestrichen wurden und welche nicht. Überwunden wird dieses Problem durch eine Mischung von Titandioxid, Nano-Titandioxid und einem Farbstoff. Das Titandioxid ist das Weißpigment, welches die höchste Deckkraft besitzt und auch in jeder Dispersionsfarbe enthalten ist. Der zugegebene Farbstoff (Neutralrot 5, Methylenblau oder Acid Violet 7) färbt die Wandfarbe zunächst bunt, wird nach dem Anstrich bei UV-Bestrahlung durch das nano-Titandioxid photokatalytisch abgebaut und verliert somit seine Farbigkeit. Zurück bleibt eine durch das Titandioxid deckende weiße Farbe.

    Der 1. Preis in der Kategorie weiterführende Schulen wurde vergeben für die Erfindung Biologisch abbaubarer Latentwärmespeicher. Erfinder sind Niklas Enslin und Felix Wedlich von der Geschwister-Scholl-Schule Tübingen. 

    Niklas Enslin und Felix Wedlich - Foto: ©Baden-Württemberg-Stiftung

    Die Technologie der Phase Change Materials (PCM) ermöglicht eine effiziente Klimatisierung von Büro- und Leichtbaugebäuden. Diese Technologie kann eine vorhandene Klimaanlage stark entlasten, den Verbrauch elektrischer Energie reduzieren, Kosten sowie CO2-Emissionen senken.
    Phase Change Materials bestehen aus Materialien mit Schmelzpunkt an der gewünschten Raummaximaltemperatur und basieren auf dem Effekt der Schmelz-enthalpie. Wird der Raum zu warm, nimmt der Stoff die überschüssige Wärmeenergie auf und geht in einen anderen Aggregatzustand über. Anstatt eines Temperaturanstiegs stagniert somit die Temperatur im Raum. Die auf diese Weise gespeicherte Energie wird bei Nacht wieder abgegeben, um einen erneuten Phasenwechsel am nächsten Tag zu ermöglichen.

    Gleichzeitig mit der Verleihung der Preise für 2015 ist die Bewerbung um den Artur-Fischer-Erfinderpreis 2017 ausgeschrieben.


    Eberhard Kübel

    Verleihung Artur Fischer Erfinderpreis 2015

    Datum: 30. Juni 2015
    Beginn: 17.00 Uhr
    Veranstaltungsort: Haus der Wirtschaft, Willi-Bleicher-Straße 19, 70174 Stuttgart

    „Jede Erfindung muss dem Menschen helfen.“ Diese Maxime gilt für das Leben von Artur Fischer – dem erfolgreichsten deutschen Erfinder der Gegenwart und baden-württembergischen Unternehmer par excellence – und für den  Artur Fischer Erfinderpreis Baden-Württemberg, den Fischer 2001 gemeinsam mit der Baden-Württemberg Stiftung ins Leben gerufen hat und der alle zwei Jahre verliehen wird.

    Ziel des Preises ist es, Kreativität, Innovationskraft und Erfindergeist der Menschen in Baden-Württemberg als die bedeutendste Ressource im internationalen Wettbewerb zu fördern.

    Der Preis ist mit insgesamt 36.000 Euro dotiert und besteht aus einem Erfinder- und einem Schülerwettbewerb.